Südafrika - Geschichtlicher Rückblick

Südafrika Geschichte -  Apartheid-Ära - Widerstandsbewegung -

Demokratie in Südafrika
 
Historischer Abriss

Das Zusammentreffen verschiedener politischer und wirtschaftlicher Faktoren sowie die vorherrschende multiethnische und kulturelle Vielfalt führten zu einer Entwicklung in Südafrika, die sich noch heute auf das Land und seine Menschen auswirkt.

Bevor die Europäer in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika kamen und sich dort ansiedelten, war das Land bereits seit mehreren Tausend Jahren von kleinen Jäger- und Sammlergruppen besiedelt. Darunter sind vor allem die San und Khoikhoi zu zählen, welche gemeinsam die Khoisan-Sprachgruppe bilden. Seit ca. 500 n. Chr. wurde der Siedlungsraum der San und Khoikhoi zunächst von bantusprachigen Zuwanderern verdichtet.

Im Jahre 1487 erreichte der portugiesische Seefahrer Bartolomeu Diás die südlichste Spitze Afrikas. Kontakte zu der indigenen Bevölkerung beschränkten sich jedoch vorwiegend auf den Tauschhandel um Vorräte. Den Beginn der Niederlassung und Besiedlung an der südlichen Spitze Afrikas machten die Niederländer unter der Leitung von Jan van Riebeeck im 17. Jahrhundert, gefolgt von Engländern, Deutschen und Franzosen. Im Jahr 1652 wurde von Jan van Riebeeck eine Versorgungsstation für die Niederländisch-Ostindische Handelsgesellschaft eingerichtet. Der Stützpunkt am Kap diente ursprünglich der Versorgung vorbeikommender Schiffe mit Lebensmitteln, Wasser und anderen Notwendigkeiten auf der Ostindienroute. Kurze Zeit später siedelten sich die ersten Niederländer am Kap an. Die Aufgabe der permanenten Siedler bestand im Wesentlichen im Anbau verschiedener Getreidearten und der Viehzucht, um die Versorgung der Seeleute zu sichern. Die Anzahl von europäischen Einwanderern stieg kontinuierlich und betrug Anfang des 19. Jahrhundert etwa 27.000.

Das kontinuierliche Vordringen der weißen Siedler führte zu starken Konfrontationen und Konflikten um die Distribution der natürlichen Ressourcen zwischen ihnen und der nichtweißen Bevölkerung. Nachdem Großbritannien Anfang des 19. Jahrhunderts die Macht über die Kapregion übernahm, verstärkte sich der Prozess der Besiedlung und Bewegung ins Landesinnere. Kurz nach der Machtübernahme und einer immer stärken werdenden Präsens der Engländer zeichneten sich nun auch starke Differenzen zwischen den burischen Siedlern und Engländern ab. Insbesondere missfiel den Buren (aus dem niederländischen abgeleiteter Begriff für Bauern) das Verbot des Sklavenhandelns und schließlich auch der Sklavenhaltung, da diese einen bedeutenden Eckpfeiler der Buren-Wirtschaft darstellten. Als Folge der britischen Gesetzgebung und den damit verbundenen Konsequenzen zogen rund 14.000 Buren Mitte des 19. Jahrhunderts im sog. „Große Treck“ in das Landesinnere, um sich dem britischen Einflussgebiet zu entziehen und eine eigene Republik zu gründen. Der „Große Treck“ teilte sich nach Überquerung des Oranje-Flusses in Richtung Norden und Osten. Infolgedessen entstanden die ersten Burenrepubliken – Oranje-Freistaat und Transvaal.

Das Vorkommen von Gold und Diamanten im Nordwesten des Landes (Burenrepubliken) führte im 19. Jahrhundert zu weiteren Eskalationen zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Südafrika und brachte nachhaltige Veränderungen mit sich. Zu schweren Auseinandersetzungen kam es zum einen zwischen den weißen Siedlern und der nichtweißen Bevölkerung und zum anderen auch verstärkt zwischen britischen und burischen Siedlern um den Kampf der wirtschaftlichen Vorherrschaft. Zu Beginn des 20. Jahrhundert gelang es Großbritannien schließlich die Burenrepubliken zu unterwerfen und diese an die britischen Kolonien anzuschließen.

Durch die Anwendung von Gewalt ebenso wie neue Gesetzgebungen in den britischen Kolonien (Kapregion und Natal) und den Burenrepubliken (Oranje-Freistaat und Transvaal), wurde die nichtweiße Bevölkerung erheblich benachteiligt und unterdrückt. Infolge der verlorenen Kriege wurde sie immer weiter in die Randgebiete Südafrikas verdrängt. Zudem blieb es der überwiegenden Mehrheit untersagt, an politischen Entscheidungen mitzuwirken, da z. B. das Stimmrecht u. a. an Grundbesitz gebunden war. Dies galt gleichermaßen für die indisch/asiatische Bevölkerung, deren Zuwanderung Ende des 19. Jahrhunderts in die britische Kolonie Natal erfolgte. Durch die Verdrängung in die Randgebiete, den sog. Homelands, wurde ihre Existenzgrundlage stark eingeschränkt und folglich fiel der Großteil der arbeitsfähigen männlichen Bevölkerung in die Abhängigkeit von Arbeitsverhältnissen mit den weißen Kolonialisten.

 
 
Die Systematisierung sozialer Ungleichheit

Den Grundstein sozialer Ungleichheiten innerhalb der südafrikanischen Bevölkerung legten, wie aus den vorherigen Ausführungen deutlich wurde, die europäischen Einwanderer in Folge ihrer Besiedlung in Südafrika. Das Streben nach Herrschaft und Macht in Südafrika erreichte seinen Höhepunkt im 20. Jahrhundert, indem die ungleiche Entwicklung zwischen der weißen und nichtweißen Bevölkerung in allen Lebensbereichen systematisiert wurde, was in den nachfolgenden Darstellungen verdeutlicht wird.

  • Die südafrikanische Union
Um die Macht der Weißen in Südafrika zu sichern, den Reichtum an natürlichen Ressourcen erschließen zu können und die Kluft zwischen Briten und Buren zu mindern, wurde 1910 die südafrikanische Union (Union of South Africa) gegründet. Dies führte zur Zusammenführung der britischen und burischen Gebiete. Zudem erhielten burische Führungspersonen die Möglichkeit, politische Führungspositionen einzunehmen. Die nichtweiße Bevölkerung blieb hingegen bis zu den ersten demokratischen Wahlen im Jahr 1994 vollständig von einer gleichberechtigten Teilhabe in fast allen Lebensbereichen – insbesondere der Politik – ausgeschlossen. Kurz nach der Gründung der Union wurden die ersten offiziellen Gesetze gegen eine Gleichberechtigung der Nichtweißen eingeführt. Die diskriminierenden Gesetze bezogen sich zunächst auf eine Arbeitsplatzreservierung für Weiße (Mines and Works Act) von 1911 und der Trennung zwischen weißem und nichtweißem Grundbesitz (Lands Act) von 1913, was zu einer Umsiedlung von ca. 1.000.000 Nichtweißen in die Homelands führte. In den darauf folgenden Jahren fand eine Verschärfung der diskriminierenden Gesetze für die nichtweiße Bevölkerung statt, so z. B. durch den Natives Urban Areas Act von 1923, der den Zuzug in die Städte stark einschränkte. Im Zuge der Verschärfung der Gesetze, insbesondere des Wohnrechts, lebte im Jahr 1936 die nichtweiße Mehrheit (ca. 80 Prozent der Bevölkerung) in Homelands auf 13,7 Prozent der gesamten Landesfläche Südafrikas.
 
  • Die Apartheid-Ära

Der Wahlsieg der burischen National Party (NP) im Jahr 1948 unter der Führung von Daniel François Malan führte zu einer in der Gesetzgebung verankerten Politik der getrennten Entwicklung, der sog. Apartheid. Mit dem Beginn der Apartheid wurde die Diskriminierung der nichtweißen Südafrikaner konsequent fortgeführt, systematisiert und radikalisiert. Die Partei widersetzte sich der Verfassung und hob das bis dato ohnehin eingeschränkte Wahlrecht der nichtweißen Bevölkerung vollständig auf.

Ziel der Regierung war die absolute Trennung zwischen der weißen und nichtweißen Bevölkerung auf allen Ebenen. Im Jahr 1950 wurde der Population Registration Act eingeführt, mit dem die Regierung eine Unterteilung der Bevölkerung zunächst in die drei „Rassengruppen“ Weiße, Coloureds und Schwarze – später ergänzt durch die Gruppe der Inder/Asiaten – vornahm und der die Grundlage weiterer diskriminierender Gesetze bildete. Die Systematisierung der getrennten Entwicklung schlug sich insbesondere in der Wohnraumpolitik zwischen 1948 bis 1985 nieder. Die Grundlage der Wohnraumpolitik bildete – neben der Errichtung von Homelands zu Beginn des 20. Jahrhunderts – die Schaffung getrennter Geschäftsbezirke für Weiße, Schwarze, Coloureds und Inder/Asiaten durch den Group Areas Act von 1950. Der nichtweißen Bevölkerung war es gesetzlich nicht mehr erlaubt in den Städten zu leben und sich ohne gültige Arbeitserlaubnis außerhalb ihrer Arbeitszeiten im städtischen Bereich aufzuhalten. Dies hatte zur Konsequenz, dass Tausende städtische Nichtweiße, insbesondere Alte, Kranke und Schwache – die vermeintlich Unproduktiven – in die Homelands deportiert wurden. Somit verlagerte das Apartheidsystem die Armut von den städtischen in die ländlichen Gebiete. Diese Entwicklung ist u. a. die Ursache dafür, dass auch gegenwärtig der Großteil der ländlichen Bevölkerung in Armut lebt, was ferner die Existenz der sozialen Ungleichheit illustriert.

Die aufgrund der diskriminierenden Wohnpolitik, auch große Apartheid (Grand Apartheid) genannt, gestiegene Anzahl an Arbeitsmigraten aus den Homelands sowie der erhöhte Bedarf an billigen Arbeitskräften in der Industrie führte zu der Gründung von sog. Townships an der Peripherie der Städte. Bei der Errichtung dieser Wohngegenden für die nichtweiße Bevölkerung wurde die Distanz zu den Wohn-, Industrie- und Geschäftsvierteln der Weißen gewahrt.

Die Gesetze der Apartheidregierung manifestierten sich praktisch in allen öffentlichen und gesellschaftlichen Lebensbereichen der südafrikanischen Bevölkerung. Umgesetzt wurde die Segregation zwischen Weißen und Nichtweißen auch auf kleinster Ebene, der sog. kleinen Apartheid (Petty Apartheid), z. B. durch getrennte öffentliche Verkehrsmittel, getrennten Eingänge zu öffentlichen Gebäuden und getrennten Parkbänken. Bei der Mikrosegregation ging es jedoch nicht ausschließlich um die räumliche Distanz zwischen Schwarz und Weiß, sondern vielmehr um die Aufwertung des weißen und Abwertung des schwarzen Raums. Überall dort, wo keine wirtschaftlichen Nachteile entstehen konnten, setzte die Regierung ihre diskriminierende Apartheid-Politik durch. Die systematisierte Diskriminierung und soziale Ungleichheit zeigte sich folglich in allen Bereichen.
 
  • Der Widerstand und das Ende der Apartheid

Der Widerstand seitens der schwarzen Bevölkerung stellt einen bedeutenden Wendepunkt in der Entwicklung des Landes dar und führte letztlich zu dem Ende der Apartheid-Ära. Schon zu Beginn der europäischen Einwanderung in Südafrika und den darauf folgenden Jahrhunderten leisteten afrikanische Gruppen Widerstand, der sich in diversen Kriegen mit weißen Siedlern widerspiegelte. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Protest zu einem politischen Gegenbewegung, der sich in der Gründung des South African Native Congress (später African National Congress, kurz ANC) im Jahr 1912 manifestierte. Ziel war der gewaltlose Protest gegen die diskriminierenden Gesetze der Weißen. Der über Jahrzehnte andauernde gewaltlose Widerstand, z. B. durch Demonstrationen oder Streiks, entwickelte sich allmählich zu einem aktiven und gewaltsamen Befreiungskampf. Nachdem 1960 der ANC und andere oppositionelle Parteien der Nichtweißen von der Regierung verboten und der Großteil ihrer Führer verhaftet wurden, setzte ein verstärkt gewaltsamer Widerstand ein. Der Befreiungskampf erhielt zudem internationale Aufmerksamkeit, was letztlich zu einem internationalen Handels- und Rüstungsboykott führte. Der ansteigende Widerstand, internationale Sanktionen, die Ölkrise von 1973 und der Verfall des Goldpreises drängten das Land zusehends in eine wirtschaftliche Krise und führten schließlich zur Schwächung der Apartheid-Regierung. Zunächst implizierte dies eine Milderung der diskriminierenden Gesetze in den 1980er Jahren. Erst nachdem Frederik Willem de Klerk im Jahr 1989 zum Präsidenten gewählt wurde, erklärte er kurze Zeit später die Apartheid-Politik als gescheitert. De Klerk hob das Verbot der während der Apartheid-Ära untersagten politischen Parteien auf und leitete die Freilassung Nelson Mandelas, Mitbegründer und späterer Vorsitzender des ANC, ein. Im Anschluss daran wurde der Großteil der Apartheid-Gesetze aufgehoben und eine Übergangsverfassung in Kooperation aller südafrikanischen Parteien erarbeitet.

Im April 1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen in Südafrika statt, bei denen Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten gewählt wurde. Seine Nachfolge trat im Jahr 1999 Thabo Mvuyelna Mbeki an. Er ist seit 1956 Mitglied des ANC und war ab 1994 zunächst Vizepräsident der Republik Südafrika. Aufgrund starker Differenzen innerhalb der Partei legte Mbeki auf Aufforderung des ANC im September 2008 sein Amt nieder. Bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 wird Kgalema Motlanthe als Nachfolger Mbekis Südafrika regieren.